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unfolding infinite storyscapes

Erzählungen, die die Vielfalt einer Region schürfen und einen positiven Ausblick in die Gegenwart geben


Wie Umgebungen und Gelände sich formieren, so einzigartig gestalten sich die jeweiligen Lebensgeschichten von den 16 Frauen, die in diesem Podcast zusammengeführt, neue Horizonte eröffnen. UNFOLDING INFINITE STORYSCAPES: der Titel des Projektes trifft den Inhalt auf den Punkt und kann als „Entfaltung unendlicher Erzähl-Landschaften“ übersetzt werden. Auf mehrfacher Ebene agiert hier die geografische Dimension als Metapher, da die erzählenden Personen tatsächlich Erfahrungen über die Landesgrenzen hinweg „mittragen“. Aber auch, weil das Bild der Landschaft mit Geländekanten, Furchen, Flüssen, Ebenen und Unebenheiten mit oft nicht erwarteten Ausblicken und spannenden Perspektiven in die so unterschiedlichen Erzählungen eingeschrieben ist.

Allen ausgewählten Erzählenden gemeinsam ist ihr Wirken in der Region Kärnten – Steiermark – Slowenien wie auch ihr Interesse an Bildung. Vielfach konterkarieren sie die stereotype Meinung, Frauen würden sich eher für Soziales interessieren, denn sie haben u. a. Technische Chemie, Physik, Meereswissenschaften oder Architektur studiert und arbeiten als Universitätsprofessorin, Prokuristin, Lektorin, Forscherin, Chefredakteurin oder als themenspezialisierte Reiseleiterin. Durch ihr Wissen und Handeln leisten die Frauen einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und schreiben mit an der Geschichte der Region.

Erzählungen, die den einzelnen Zielen der Sustainable Developement Goals, die 17 SDGs, der Vereinten Nationen, Raum geben

Die einzelnen Episoden des Podcasts geben aber auch Einblick, wie sich die Region in Zukunft entwickeln kann. Mit ihrem Tun und ihren Berufen tragen die Interviewpartnerinnen wesentlich zu der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) bei: sei es, sich durch Forschung für Klimaschutz oder nachhaltige Produktion, sei es, mittels unterschiedlicher Vermittlungsformate für hochwertige Bildung wie auch durch Vernetzungsarbeit in der Region.

In den jeweils circa 30-minütigen Interviews ergeben sich oft überraschende Tiefen oder unerwartete Wendungen in persönlicher wie gesellschaftlicher Dimension. Allen Interviepartnerinnen gemeinsam ist Wissbegier wie auch Beständigkeit, ihren Weg auch durch Unwegsamkeiten zu gehen und sich nicht von systemischer oder gesellschaftlicher Ungleichstellung abhalten zu lassen. Spürbar wird in jedem Gespräch die Begeisterung jeder einzelnen, wenn sie von ihrem Tun erzählt. So vielschichtig und unterschiedlich die Lebensgeschichten sind, zeigen sie ohne Allüren und ohne große Geste, wie viel Potential in der Region vor allem bei Frauen liegt.

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Mit UNFOLDING INFINITE STORYSCAPES werden auch gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen sichtbar. Prägnant ist dabei, das Erzählen von der (fehlenden) Kinderbetreuung in Österreich, was sich nach wie vor unmittelbar auf die (Un-)Möglichkeit von weiblichen Karrieren auswirkt. Es zeigt auf,  wie schwer es viele haben, wenn sie eine Familie gründen wollen oder alleinerziehend sind – und dass es in anderen Ländern sichtlich so geregelt ist, dass Muttersein und Vollzeit-Berufstätigkeit einander nicht ausschließen.

Die Interviews legen offen, wie stark durchwachsen die Region von Frauen in traditionell gesehen durchaus untypischen Berufen und Tätigkeitsfeldern ist. Jedes Gespräch birgt für sich neben spannenden Informationen, überraschende wie erfrischende Momente und geben nicht zuletzt Frauen Mut, ihren Weg zu gehen. Als „unfertige/unendliche Erzähl-Landschaften“ geben UNFOLDING INFINITE STORYSCAPES einen kleinen Einblick in eine Fülle von interessanten Frauenbiografien und bestätigen, dass es wichtiger denn je ist, Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft die Bühne zu öffnen.

Katrin Ackerl Konstantin bekommt durch ihren Beruf als Schauspielerin zu spüren, dass sie nicht von da/von Kärnten ist. Sie fragt sich im Rahmen ihres Doktorats im Studium der Psychologie, wie etwas sichtbar bzw. »zum Thema« gemacht werden kann, wie und was am Theater erzählt wird bzw. wie sich dort Stereotypien festsetzen. Frau Ackerl Konstatin genießt die Vielfalt der kulturellen Dichte, die durch die Nähe zu Slowenien und Italien gegeben ist und sieht das als wichtige Ressource ihres Tuns.

Marta Alomar hat von ihren Eltern vermittelt bekommen, dass sie als Frau alles erreichen kann. Heute, als Mutter, muss sie erkennen, dass das nicht stimmt, dass sie als Frau in Österreich beruflich dadurch »auf Pause gestellt« ist. Überraschend für die aus Barcelona stammende, der generelle Umgang mit Frauen hier: »nicht so gut«. Frau Alomar arbeitet in der Entwicklung von Microchips und nutzt Kenntnisse, wie u. a. für die Entwicklung einer deutschsprachigen App, die Kindern hilft leichter lesen und schreiben zu lernen am Beispiel eines Legasthenie-Programms, das sie aus Spanien kennt.

Kasadila Bedenk hat durch ihre in Kapfenberg lebenden Großeltern eine gute Erinnerung an Schulferien in Österreich, erlebte es aber später, als erwachsene Frau, wie schwierig es in Österreich ist, mit Kind berufstätig zu sein und als Ausländerin sozialen Anschluss zu bekommen. Seit ihrer Pensionierung als Professorin für Slawistik und Germanistik ist Frau Bedenk Vorsitzende des Vereines österreichisch-slowenische Freundschaft Graz und setzt damit tatkräftig ihr Tun für eine gemeinsame Zukunft ohne Grenzen fort.

Gabriele Berg wuchs in der DDR auf und durfte nur studieren, was gebraucht wurde. Sie schaffte es, ihren Interessen nachzugehen und nach der Wende als Mikrobiologin zu  promovieren und habilitieren. Sie ist die erste Frau als Univiersitätsprofessorin an der TU Graz und ist Pionierin in der Mikrobiomforschung, bei der untersucht wird, welche Bakterien gebraucht werden, um gut gedeihen zu können. Den Beginn machte sie damals bei der Erdbeere – in der Steiermark forscht sie natürlich auch am Kürbis.

Vesna Hodnik Nikolic 
kam zufällig mit ihrem Mann nach Kärnten, Dänemark oder die USA wären weitere Optionen gewesen. Obwohl sie Deutsch sehr schnell, genießt sie es sehr, dass sie immer wieder Menschen begegnet, denen es eine Freude ist, mit ihr Slowenisch sprechen zu können. Das hat sie nicht erwartet. Weniger positiv überrascht sie, dass es in Klagenfurt keine Stadtbibliothek gibt. Frau Hodnik Nikolic wirkt  als Leiterin des Slowenischen Wirtschaftsverbandes in Kärnten an der Stärkung des Alpen-Adria-Netzwerks.

Jerneja Jezernik bemerkte auf ihrem Schulweg in Celje, dass eine Gedenktafel aufgehängt wurde und begann sich fortan mit Alma M. Karlin zu beschäftigen. Die Geschichte der auf Deutsch schreibenden Journalistin, Schriftstellerin, Forscherin und Malerin beeindruckte sie so sehr, dass sie seit über 20 Jahren deren Lebensgeschichte beforscht, publiziert und vermittelt. Was machte Alma M. Karlin zu so einer besonderen, herausragenden Persönlichkeit? Was können wir heute von ihr lernen? Davon erzählt Frau Jezernik.

Lidija Krienzer-Radajović ist gerne »die Fremde«, denn dann muss sie sich keinen lokalen »Tradition« hingeben – im gegenwärtigen Fall: keine Tracht anziehen. Anders gesagt: das Fremdsein ermöglicht ihr persönliche Freiheit. Wann sie an einem neuen Ort zu Hause ist? – Wenn sie nicht mehr auf den Stadtplan schauen muss, wenn Alltags-Wege eine eigene Logik bekommen. Tiefgehend ist ihre Erkenntnis, erst in Graz zur Slowenin geworden zu sein. Fokus: Kulturelles Kapital: Was für Währungen werden hier angenommen? Was für Währungen sind hier bekannt?

Sanela Pansinger 
ist geprägt von dem Ort ihres Aufwachsens, der sie von Kindheit auf lehrte, dass es mehrere Wahrheiten gibt. In Architektur und Siedlungsgefügen materialisieren sich Gesellschaftsformen. Was erzählen uns unterschiedliche Materialien? und: Was braucht es für eine »gute Zukunft«? Die Architektin, Stadtforscherin und Stadtplanerin ist beeinflusst durch das  lebenslange Lernen aus der Japanischen Kampfkunst und die Begriffe der Raumdehnung und Raumwahrnehmung in der Musik.

Tanja Prušnik 
beschäftigt die Farbe Rot, da es als Farbe des Blutes in Assoziation zu Frauen als leben-gebend und in männlicher Konnotation als leben-nehmend gesehen werden kann. Von Kunst war sie schon immer umgeben, unterrichtete ihr Vater Bildende Kunst an der Schule und sie ist eng verbunden mit der Galerie Šikoronja, die Marija Šikoronja mit viel Sorgfalt auf das Slowenische geleitet hat. Für die Zukunft sieht die Kuratorin und Künstlerin, dass Kunst näher zu den Menschen, auch außerhalb von Museen Thema werden muss.

Mateja Rihter 
hat in Vergleichenden Literaturwissenschaften aus Brechts »Mutter Courage und andere europäische Mütter des Mutes«, und in Slowenisch aus Dialektologie bei Dr. Zinka Zorko diplomiert, die sie sehr geprägt hat. Als Chefredakteurin der katholischen Wochenzeitschrift „nedelja“, ist es ihr wichtig, den Menschen in ihrem Alltag nahe zu sein und Visionen vor den Augen zu haben, um Dinge reflektieren zu können. Kooperationen sind ihr ebenso wichtig, wie die Förderung junger Menschen, da sie selbst in ihrer Schulzeit in Slowenien von solchen Förderungen profitiert hat.

Renate Rogi-Kohlenprath 
hat durch die aus Slowenien bzw. Jugoslawien stammende Mutter und deren Familie ein anderes Frauenbild erlebt, als das in Österreich »übliche« – wobei die Frauen immer arbeitstätig waren. Auch die Grenze nahm sie als solche nicht bewusst wahr. Heute ist ihre Arbeit geprägt von Zukunftsthemen, einerseits in der biotechnologischen Forschung, andererseits in dem Projekt „Unfolding Infinite Storyscapes“, wo ihr persönliches Anliegen Frauengeschichten sichtbar zu machen und Frauen besser zu vernetzen dahinter steht.

Adriana Sanchez 
steht KI sehr offen gegenüber und verbindet dies mit einer bewussten individuellen Entscheidung der Benutzer:innen. Aufgewachsen in Bogotá, gelangte sie über Triest und Dresden nach Villach. Aus einer Familie der unteren sozialen Schicht, in der alles knapp war, schafften sie und ihre Geschwister akademische Ausbildungen und entsprechende Berufe. Prägend dafür war wohl auch die Mutter, die den Kindern als Mathematiklehrerin in den Ferien mathematische Spiele zum Lösen gab – das Geld um Urlaub zu machen fehlte damals.

Malina Seyffertitz ist überzeugt davon, dass etwas kein Problem ist, wenn man es nicht zum Problem macht, was sie vor allem in ihrer Funktion als Kapitänin in einem gemischten Fußballverein lernte – in dem sie die einzige Frau war. Sie hat schon als Kind ihren Eltern betreffend naturwissenschaftlichen Dingen immer Löcher in den Bauch gefragt und so fand sie später an der Montan-Universität in Leoben das richtige Studium für sich. Heute forscht die Werkstoffwissenschaften international an der Entwicklung von Superkondensatoren, die im Vergleich zu Batterien eine hohe leistungsdichte haben, also schnell wieder aufladbar sind.

Karin Stana Kleinschek 
erzählt von der hohen gesellschaftlichen Bedeutung die Sport in Slowenien hat und dass in Slowenien die Kinder in öffentlichen Einrichtungen gut versorgt werden, sodass Berufstätigkeit der Mutter keine Alltags-Hürde ist. Ihre Forschung um nachhaltige Materialen ist geprägt von Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, was zeigt, dass Entwicklung vor allem gemeinsam passiert. Frau Stana Kleinschek erinnert sich, dass es in ihrer Jugend wäre es »in« gewesen ist, technische Studien zu absolvieren und bedauert es, dass es gegenwärtig von den Jugendlichen anders gesehen wird..

Lidija Vindiš-Rösler ermöglicht als Reiseleiterin durch die Überlagerung von Natur, Kultur, Historie und dem Spirituellem ihren Gästen ein anderes Bewusstsein von Ort / Geschichte / Wahrnehmung. Eine Pilgerreise, die sie u. a. begleitet, ist der am Hemma Pilgerweg, der als ein ganzes Netzwerk sternförmig angeordneter Wege auf 880 km die Regionen Slowenien, Steiermark und Kärnten verbindet. Bezogen auf die Gegenwart, kann die Heilige Hemma als dem Role-Model gesehen werden. Frau Vindiš-Rösler hat ihre Heimat Slowenien erst durch ihre Berufstätigkeit, wie sie sagt, »so wirklich« kennengelernt.

Susanne Weitlaner 
reflektiert im Interview, wie Frauen in männlichen Gremien akzeptiert werden, basierend auf der Begebenheit, dass auf sie – sie war die einzige Frau – in einer Beiratssitzung einfach vergessen wurde. Sie erinnert sich an den Triglav-Verein, wo sich in ihrer Kindheit die Slowenisch Sprechenden in Graz trafen. Ansonsten begann »Slowenisch« für sie an der Grenze in Spielfeld. Heute setzt sich Frau Weitlaner als Vorsitzende des Beirats der Slowenischen Volksgruppe beim BKA für den Erhalt und die Sichtbarkeit der slowenischen Kultur in der Steiermark und in Österreich ein, ist u. a. Leiterin des Pavelhauses in Laafeld bei Radkersburg und unterrichtet Slowenisch an der HTL für Forstbau in Bruck an der Mur.